London: Nicholson sieht sich um Chance auf Einzelmedaille betrogen
Andrew Nicholson ist sauer. Der Neuseeländer macht die Organisatoren bei den Olympischen Spielen dafür verantwortlich, dass er nun keine Chance mehr auf eine Einzelmedaille hat. So meldet es stuff.co.nz. Zehn Minuten Pause hatte es gegeben bevor der Schwede Niklas Lindbäck in die Arena kam, weil ein heftiger Donner und Blitz herunter kam, verbunden mit massivem Regen. Dem 50-Jährigen wurde sechs oder sieben Minuten vor seinem Start mitgeteilt, dass es eine Verzögerung geben werde. Lindbäck, so heißt es, sei bereits in Tränen aufgelöst gewesen nach seinem Ritt (22. Platz) und auch Nicholson wäre wie ein gebrochener Mann gewesen (23. Platz, 45,0 Punkte - fünf mehr als er sich ausgerechnet hatte). Nicholson, der bereits zum siebten Mal an Olympischen Spielen teilnimmt, erklärte gegenüber der neuseeländischen Presse: "In der Dressur bekommen wir eine Zeit. Und wir arbeiten genau auf diese Minute hin. Man baut das Pferd auf bis es stärker und stärker wird und mehr Energie bekommt - und dann wird einem plötzlich gesagt, man habe zu stoppen. Wenn man dann das Pferd runterkommen lässt, denkt es, es hat die Arbeit beendet - oder soll man dann zehn Minuten weiter Druck machen?" Nereo trabte sehr gut und zeigte auch einen guten Schritt, hatte allerdings große Probleme im Galopp. Die fliegenden Wechsel klappten gar nicht. "Er dachte offensichtlich, er sei wieder in einer anderen Trainingssession und war irritiert. Ich denke, das war auch bei Mr Pooh der Fall." Der neuseeländische Coach Eric Duvander erklärte, dass er in der ganzen Geschichte des Sports so etwas noch nicht erlebt habe, dass die Prüfung unterbrochen werde." Jahrelange Arbeit seien nun zerstört.
Die Vorwürfe sind einerseits nachvollziehbar. Andererseits: Der Blitz und Donnerschlag haben uns alle (auch im Gebäude in der Pressestelle) so dermaßen erschrocken. Ein großer Schlag durchfuhr das ganze Areal, die Arena erleuchtete grell auf. Wer hätte jetzt verantworten wollen, wenn es weiter geht und etwas passiert? Dass es bei diesem einmaligen Blitzschlag und Donner blieb, konnte niemand vorhersehen. Im vergangenen Jahr bei der Europameisterschaft in Rotterdam in der Dressur kam auch ein Gewitter auf, mitten in der Prüfung des Österreichers Hans Staub. Adelinde Cornelissen folgte noch. Es war der Grand Prix, die Mannschaftsentscheidung. Eine halbe Stunde Pause hatten sie sogar zu meistern - und Cornelissen kam zurück, blieb cool, und wurde Zweite. Ganz, ganz sicher ist es schwer, sein Pferd dann noch richtig zu managen, doch eine komplett gelungene Anfangstour in Trab und Schritt spricht nun auch nicht für ein total durcheinander gekommenes Pferd. Jede Entscheidung hätte hier die falsche sein können. Wäre Nicholson rein geritten und hätte vielleicht unter Blitzschlägen die Prüfung absolvieren müssen, wäre der Aufschrei möglicherweise auch groß gewesen. Die Verantwortlichen haben immerhin noch die Sicherheit zu wahren. So bitter es für den Einzelfall auch ist.



