Foto: Stefan Lafrentz

Wahr gewordene Träume im SAP-Cup

Reiter, die sich in die Arme fielen, Besitzer, die in Tränen ausbrachen und ein Kursdesigner, der sich wohl am liebsten ganz still aus Aachen verabschiedet hätte. Aber da hatte er die Rechnung ohne die Reiter gemacht. Fazit eines ganz besonderen SAP-Cups beim CHIO Aachen 2024.

Olympiasiegerin Julia Krajewski und ihr Newcomer Nickel sind die Sieger des SAP-Cups 2024 mit 30,3 Minuspunkten. Platz zwei ging an U25-Nachwuchsstar Calvin Böckmann mit The Phantom Of The Opera. Letztere beendeten mit ihrem Dressurergebnis von 30,9 Minuspunkten. EQuiRatings powered by SAP hatte vor der Prüfung ausgerechnet: bei 420 Starts in den letzten Jahren gelang es nur 20 Paaren, die Prüfung mit Dressurergebnis zu beenden. Dieses Jahr kamen noch zwei hinzu, neben Calvin der Australier Christopher Burton mit Clever Louis, die am Ende Vierte wurden. Zwischen die beiden Deutschen und den Stilist von Down-Under schob sich Laura Collett auf Dacapo als beste Reiterin des Siegerteams Großbritannien.

In der Nationenpreiswertung setzten die Briten sich mit 112,8 Minuspunkten gegen die Vertreter des Partnerlandes USA durch (123,7) sowie gegen die Iren (138,0). Die deutsche Mannschaft belegte Rang vier (147,5).

Soweit die Fakten. Dass die Briten den Nationenpreis gewonnen haben – übrigens zum vierten Mal nach 2011, 2021 und 2022 –, ist nicht weiter verwunderlich. Das Mutterland der Vielseitigkeit ist immer für einen Sieg gut. Der Ausgang der Einzelwertung war schon überraschender. Fairerweise muss man sagen, dass drei deutsche Paare – die nach Dressur und Springen führenden Michael Jung auf Chipmunk, der in der Zwischenwertung Drittplatzierte Christoph Wahler sowie die Sieger von 2022, Sandra Auffarth mit Viamant du Matz – mit Blick auf die Olympischen Spiele gar nicht erst versucht haben, ihre Positionen zu halten. Michael Jung musste gar nicht im Cross antreten. Sandra Auffarth und Christoph Wahler durften vorzeitig abbrechen.

Julia Krajewski und der zehnjährige Holsteiner Numero Uno-Sohn Nickel gingen als Führende ins Gelände, nachdem Michael Jung und Chipmunk Dispens hatten. Sie lieferten eine sichere Runde, hatten lediglich 6,4 Zeitfehler auf dem Konto und konnten Rang eins halten. Sie waren allerdings schon achtes Paar im Cross gewesen, die Prüfung lief noch gute zwei Stunden und nach ihnen waren noch drei starke Paare dran. Der Gedanke an einen potenziellen Sieg war also noch weit weg. Zufrieden war sie aber schon da, vor allem mit Nickel: „Ich denke, das ist ein Pferd, der kann auf jeden Fall Aachen gewinnen. Wenn nicht dieses Jahr, dann ein anderes“, so Krajewski. Ein „Kumpel“ sei Nickel, einer der „immer versucht, die gestellte Aufgabe zu lösen“. Später berichtete sie, vor ihrem Ritt ein Foto von der Siegertafel neben dem Einritt gemacht zu haben. „Ich dachte, wie cool wäre es, meinen Namen hier nochmal stehen zu sehen?“ Denn 2018 hatte sie Michael Jungs Chipmunk in der Soers zum Sieg geritten. Aber dass es so schnell gehen würde, kam dann doch überraschend. „Ich habe leider recht früh ein Eisen verloren. Der Boden ist gut und das Pferd ist ausbalanciert, aber das habe ich hier und da in den engeren Wendungen gemerkt und befürchte, dass mich das die drei, vier Sekunden gekostet hat, die jetzt fehlen“, sagte sie noch direkt nach ihrem Ritt.

Die Spannung stieg, als sich die Vorbeiläufer im Laufe des Vormittags häuften und Krajewski und Böckmann immer weiter nach vorne rutschten im Ranking. Und als die zuvor vor ihnen rangierte Britin Emily King mit Valmy Biats als letzte Starterin des Geländes heile und gesund, aber mit 4,8 Zeitfehlern ihren Job getan hatte und damit klar war, dass Krajewski gewonnen hatte und Böckmann Zweiter war, gab es im Zielbereich des SAP-Cups 2024 kein Halten mehr. Siegerin und Zweitplatzierter fielen sich in die Arme und wurden von einem Gratulanten an den nächsten weitergereicht. Der letzte in der langen Schlange war Nickels Besitzer, dem die Tränen der Freude übers Gesicht liefen.

Krajewski: „Aachen zu gewinnen, ist natürlich ganz, ganz besonders. Es ist fast wie ein Championat. Da ist so viel zwischen der Hoffnung zu gewinnen und dann dem tatsächlichen Sieg. Ich zählte nicht zu den Favoriten, was es umso schöner macht, wenn es eine Überraschung ist. Ich kann noch gar nicht richtig glauben, dass das tatsächlich passiert ist.“

Calvin Böckmann sagte nach seinem Ritt auf die Frage, wie er es geschafft hat, in die Zeit zu reiten: „Ich glaube, das Pferd und ich sind über die letzten zweieinhalb Jahren unheimlich zusammengewachsen. Wir waren Anfang des Jahres ja in Amerika (beim CCI5*-L in Kentucky) für unsere erste Fünf-Sterne-Prüfung und ich habe das Gefühl, das hat uns beide einfach noch mehr zusammengeschweißt. Ich vertraue ihm blind, er vertraut mir blind. Dann macht es das einfach möglich, dass man hier und da die erste Distanz nimmt, die Wendungen enger nimmt und das hat uns sehr gut in die Karten gespielt.“ Da ahnte er noch nicht, dass er Zweiter in Aachen werden würde. Und so richtig glauben konnte er es auch immer noch nicht, als er danach gefragt wurde: „Ich habe all meine Freunde angerufen und sie sagten, das sei wirklich verrückt. Das ist das besonderste Turnier, das wir haben in Deutschland und die Atmosphäre ist unglaublich!“

Dem konnte die drittplatzierte Laura Collett nur beipflichten: „Alles hier ist so besonders, die Atmosphäre, die Zuschauer und nirgendwo auf der Welt springen wir in einem Stadion wie diesem.“ Ihr Eindruck der Strecke: „Das war ein Go-Cart Kurs, ein Hindernis folgt aufs nächste. Die Strecken in Aachen sind immer anspruchsvoll.“

Der Mann, der seit Jahr und Tag für die Kurse in Aachen verantwortet, könnte sich nach dem heutigen Tag einmal mehr auf die Schulter klopfen. Aber da das nicht seine Art ist, haben das andere für ihn gemacht. Es war die letzte Strecke, die Rüdiger Schwarz gebaut hat und die Dankbarkeit war von Seiten der Turnierleitung wie auch der Reiter gleichermaßen groß. CHIO Aachen-Sportchefin Birgit Rosenberg sagte: „Rüdiger Schwarz hat einen so fantastischen Job über die letzten Jahre gemacht und es war immer ein Vergnügen, mit ihm zusammenzuarbeiten. Er tut immer das Beste für die Pferde und das Beste für den Sport.“

Dem konnte Julia Krajewski, die lange Zeit auch von Rüdiger Schwarz trainiert worden war, nur beipflichten: „Als wir abgegangen sind, gab es Leute die sagten, der Kurs sei einfacher, als sonst. Aber er war perfekt gebaut. Wir hatten „Missed flags“, „MIMs“ und Vorbeiläufer. Man musste intelligent reiten und seinen Kopf benutzen. Rüdiger hat geprägt, wie Gelände geritten wird und wie Gelände aufgebaut wird.“

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