Foto: Stefan Lafrentz

Von Siegern und Siegen

EM-Blog aus Crozet | von Gabriele Pochhammer (Teil 3)

Manchmal sind es nicht die Sieger, an die man sich erinnert, sondern diejenigen, die eine ganz besondere Leistung erbracht haben, die man – wäre man selbst Richter – vielleicht sogar mit einem Sieg gekrönt hätte. Ich spreche von Katharina Hemmers und dem 13-jährigen Destano-Sohn Denoix PCH, der bei seinem ersten internationalen Championat gleich über sich selbst hinauswuchs, alles toppte, was er bis dahin gezeigt hat, mit persönlichem Bestergebnis von 78,678 Prozent, aber am Ende medaillenlos ausging, auf dem undankbaren vierten Platz. Ein bisschen Gold war dann doch im Spiel, als Ohrstecker in Form von goldenen Turnierschleifchen. „Die hat mir meine Pferdebesitzerin geschenkt“, sagte Katha, „die haben mir Glück gebracht“. Ich glaube, ich habe noch nie einen glücklicheren Menschen nach einem Ritt gesehen, halt, ihr Ausbilder, Chef und Trainer Hubertus Schmidt war mindestens ebenso selig und mit den Nerven am Ende. Da stimmte alles, so soll Dressur aussehen und es müssen nicht immer diese großen schwarzen Hengste sein, die die Ahs und Ohs aus dem Publikum herauskitzeln. Der bildschöne, dabei grundsolide Oldenburger Fuchs zeigte gestern im Grand Prix Special, wie Dressur aussehen soll, die Nase vorn, eifrig, aber nicht eilig, kraftvoll aber nicht verspannt, jede Bewegung durch den Körper gehend. Was die Abstammung angeht, Donnerhallte es quasi bis nach Crozet. Denoix ist ein Ur-Ur-Enkel des legendären Dressurvererbers.  Das dürfte eine besonders gefreut haben, Ulrike Gräfin Walderdorff, geb. Schulte-Frohlinde, deren Vater den Fuchshengst in Grönwohldhof einst groß gemacht hat, der unter Karin Rehbein Championatsmedaillen für Deutschland holte. Ulrike war mit einer Reisegruppe von den PMs, also persönlichen Mitgliedern der FN, nach Frankreich gekommen. An ihrem Arm prangte ein dicker Goldreif mit dem Schriftzug Donnerhall und das schöne Seidentuch, geschaffen einst vom Pferdemaler Klaus Philipp mit allen berühmten Donnerhall-Kindern drauf, war auch dabei. So schließt sich der Kreis.

Es wäre schön, wenn die Richter auch ein Pferd wie Denoix, dass sie im Hinterkopf noch nicht als Superstar führen, so bewerten, wie es sich präsentiert. Eine von den sieben Richtern tat das übrigens: Chefrichterin Katrina Wüst hatte Katharina Hemmer auf Platz zwei, exakt punktgleich mit dem neuen Special-Europameister Justin Verboomen aus Belgien auf dem erst neunjährigen Zonik Plus.  Der war ja in Aachen die Riesenüberraschung gewesen und begeisterte auch hier, aber da gab es doch einiges, was bei aller Leichtigkeit und Eleganz nicht perfekt war, wie der häufig pinselnde Schweif und das Schwanken auf der letzten Mittellinie. Am Ende gab es 82,371 Prozent. Vier Richter hatten ihn vorne, drei auf Platz zwei, Raum also für klärende Gespräche. Immer noch wirkt Justin bei Interviews und Pressekonferenzen wie ein schüchterner Abiturient, der gerade ein Einser-Zeugnis entgegengenommen hat. Mit ganz leiser Stimme und sehr kurzen Antworten.

Und Freestyle und Catherin Laudrup-Dufour, die souveränen Grand Prix-Sieger? Auch da lief es nicht so weiter wie am Tag zuvor. Bei den Einerwechseln gab es quasi einen Totalausfall, nur etwa die Hälfte der Wechsel wurden gezeigt. Dafür gab es dann dreien und vieren, aber das Ergebnis mit 81,687 Prozent war am Ende besser als das Siegerresultat vom Vortag. Die Dressurwelt bleibt eine rätselhafte. In der so genannten Kiss-and-Cry-Zone, wo es ja immer gewaltig menschelt, wiegte Ehefrau Rasmine Laudrup das gemeinsame Baby hin und her im Takt der besonders freundlichen und sanften Musik – sowas von idyllisch.

Isabell Werth hatte sich sicher mehr erhofft als Bronze, aber mehr war nicht drin bei zwei Wechselfehlern und einer Wendy, die immer noch nicht wieder da ist, wo sie vor einem Jahr im Park von Versailles war, als sie olympisches Kür-Silber gewann und vielen, die diesen Sport lieben, die Tränen in die Augen trieb.

Gedämpft zufrieden, weil er sich gegenüber dem Grand Prix verbessern konnte und eine sehr saubere Leistung ablieferte, war der dritte deutsche Reiter Frederic Wandres auf dem 15-jährigen Bluetooth. Besser kann der schöne Braune kaum gehen und sehr viel mehr Punkte wird er nicht bekommen. Aber fürs Team ist er im Moment unersetzlich und deswegen wird auch Bundestrainerin Monica Theodorescu aufatmen, seitdem feststeht, dass er bei Wandres bleibt. Das habe ihm die russische Besitzerin zugesagt, so Wandres. Eine Zeitlang stand Bluetooth zum Verkauf, jetzt nicht mehr, heißt es. Hoffen wir also: eine Frau ein Wort.

News >

Von Siegern und Siegen EM-Blog aus Crozet | von Gabriele Pochhammer (Teil 3)

Manchmal sind es nicht die Sieger, an die man sich erinnert, sondern diejenigen, die eine ganz...

[ mehr]

Team geschafft – das Einzel begann EM-Blog aus Crozet | von Gabriele Pochhammer (Teil 2)

Neuer Tag, neues Glück für Ingrid Klimke und den westfälischen Hengst Vayron (sorry für den...

[ mehr]

Am Ende gewinnt wieder Deutschland! Jiva Hill Stables FEI Dressage European Championship

Die Spannung stieg gestern in der Arena der Dressur-Europameisterschaft im französischen...

[ mehr]

Erste Eindrücke unserer Korrespondentin EM-Blog aus Crozet | von Gabriele Pochhammer (Teil 1)

Knapp haben die deutschen Dressurreiter die Führung nach Tag eins in der...

[ mehr]

CHI Donaueschingen verschoben – Fokus auf nachhaltige Weiterentwicklung

Das Internationale S. D. Fürst Joachim zu Fürstenberg-Gedächtnisturnier, ursprünglich vom 18....

[ mehr]